Aus der Sicht des
Chronisten Helmut Müller
Die zehnte Koch’sche Radltour
führt’ hauptsächlich durchs Tal der Mur,
von Salzburg quer durch Steirers Landen
bis wir in Ungarn dann verschwanden.
’Ne Riesengruppe war’n wir heuer
verkehrstechnisch nicht ganz geheuer.
Geht das so weiter in den Jahren,
wird bald ganz Puchheim mit uns fahren.
Sechs Paare und sechs Einzel-Leut’
erklär’n zum Mitfahr’n sich
bereit.
Der Altersschnitt um 60 Lenze,
dem Fitsein setzt er keine
Grenze.
Am
Sonntag, noch recht früh am Morgen,
macht
Tilo ganz umsonst sich Sorgen,
denn
niemand kam diesmal zu spät.
Erstaunlich,
dass es so auch geht.
Zehn
Jahre Ungarn-Partnerstadt
als
Grund dafür zu gelten hat,
dass
wir zum Radln war’n bereit
in
solch ’ner frühen Jahreszeit.
Weil’s doch so kräftig fror und schnie
dacht’ mancher wohl „Verrückt sind die.
Bei denen kann’s nicht richtig ticken!“
Im Stillen konnt’ dazu ich nicken.
Ende
April, es schneit, ist nass,
für’s
Radfahr’n wirklich übel, krass.
Doch
trotzdem freuten ungeheuer
wir
uns auf unser Abenteuer.
Die
Presse war, obwohl bestellt,
durch
dieses Wetter wohl verprellt.
So
fuhr’n wir ganz inoffiziell
nach
Salzburg mit der Bahn ganz schnell.
Auch
hier war’s Wetter ziemlich schlecht.
Gescheh’n
tat’s uns g’rade recht!
Warm-winterliche
Regenhäute
zu
haben sich ein jeder freute.
Mit
Bus von Golling ging es dann,
Fahrradanhänger
hinten dran,
nach
ein/zwei Tunneln dann: Hurra,
war
blauer Himmel, Sonne da.
Bis
Mur fuhr’n wir, dem schönen Ort.
Um
diese Zeit trieb Wintersport
man
besser dort im tiefen Schnee.
Doch
Radl fahr’n? Oh je, oh je!
Die
„Weiße Leber“ einer Frau
erklärte
er uns ganz genau:
Die
Anna Neumann hatte sechs
Männer
g’habt, war keine Hex’.
Danach
ging’s weiter ohne Franz.
Warum
weiß man bis heut’ nicht ganz.
In
Judenburg – so ein Gerücht –
Da
hatte er so sei’ G’schicht....
Nach
Murau fiel dem Tilo ein
ein
steiler Waldweg, ganz gemein.
Als
wir auf 1000 Meter waren,
gibt
zu er, dass wir falsch gefahren.
An
dieser Stelle als Chronist
sag
ich, weil’s doch erstaunlich ist:
Sein
einz’ger Fehler dieses war,
sonst
hat geführt er wunderbar.
So
früh im Jahr, man merkt das schon,
fehlt’s
manchem noch an Kondition.
Gepäcktransport,
zwar ungewohnt,
hat
deshalb sicher sich gelohnt.
Dann
weiter ging’s auf Bundesstraßen.
Die
LKWs lernt man da hassen.
Dann
wieder in die Hügel rein,
ein
Auf-und-ab, das musste sein.
Der Dieter träumt , wie schön’s sein muss,
abwärts zu radeln mit Genuss.
Zwar taten wir dies „im Prinzip“,
doch ging’s bergauf, mehr als ihm lieb.
Mit seinem nagelneuen Rad
er anfangs sei’ Problemchen hatt’:
Statt drei hat er jetzt sieben Gänge.
Ach, wenn ihm’s Schalten nur gelänge...
Der Fritz hat heimlich wohl trainiert.
Bei ihm lief’s heuer wie geschmiert.
Wenn and’re schon am Schieben war’n
ist stets er d’ran vorbei gefahr’n.
Die Margot, auch ein Phänomen:
Bergauf man sie konnt’ radeln seh’n.
Bei g’radeaus und Gegenwind
ging’s dann im Schatten auch geschwind.
Den
Schulzes Rainer und der Ute
kam
bisher nicht wie uns zu Gute
der
Service vom Gepäcktransport.
Sie
fuhr’n es selbst. Ja, das ist Sport!
Erst
als es später wurde eben,
da
hab’n auch sie was aufgegeben.
Nun
ging es leichter und bequem,
altersgemäß
auch angenehm.
Königsetappe
tags darauf.
Wir
waren pünktlich und gut drauf.
Die
Sonne frühlingshaft und hell,
auch
kamen wir voran recht schnell.
Passierten
dann Sloweniens Zoll
ganz
ohne eine Passkontroll’.
Slowenien
sauber, gute Straßen,
so
kann man sich’s gefallen lassen!
Des
Mittags dann am Sportplatzrand
der
Tilo einen Rastplatz fand,
verseh’n
mit Tischen und mit Bänken.
Da
braucht’ sich keiner zu verrenken.
Nach
Ungarn rein prüft ganz genau
die
Pässe eine Grenzer-Frau.
Auch
war zu schieben jedes Rad
durch’s
völlig trockne Seuchen“bad“.
Der
Hans kriegt’ gleich was auf die Pfoten,
denn
Fotos machen war verboten.
Die
Sitten sind hier noch sehr streng.
Passt
bloß gut auf, sonst macht’s „peng-peng“.
Im
ersten Dorf in Ungarn dann
spricht
gleich uns der Herr Pfarrer an.
Sei’
Kirch’ hat frisch er renoviert,
mit
uns ’ne Andacht zelebriert.
Als
Monika, das Chormitglied,
stimmt’
an ein schönes Kirchenlied,
lud er dann ein – das musste sein –
uns in’s „Buffet“ zu Bier und Wein.
Bis
Gorniza ein letztes Mal
durchquerten
wir ein tiefes Tal.
Das
Hotel dort, macht zwar was her,
doch
manches wundert uns dann sehr:
’Ne
Wette für Herrn Gottschalk wär’
ob
18 Räder – bitte sehr –
in
o’ Garage hinein tun passen.
Der
Hans der kann’s, ’s ist nicht zu fassen.
Als
Rudi - voller Seeligkeit -
macht’
sich unter der Dusche breit,
ruft
plötzlich er - und zwar sehr laut::
„Wer
hat denn diesen Pfusch gebaut?“
Das
Wasser konnte nicht ablaufen,
und
Rudi drohte zu ersaufen.
Zehn
Zentimeter stand es hoch
am
Boden ohne Abflussloch.
Die
Suite konnten wir dann tauschen
am
4-Bett-Zimmer uns berauschen.
Platz
nun genug zum Orgien feiern,
doch
Rudi war nicht anzufeuern.
In
einem and’ren Weinlokal
war’n
nur sehr laut wir dieses Mal.
Spottbillig
war der Rebensaft
was
neue Möglichkeiten schafft’.
Zurück
danach im Sporthotel
war’n
eingeladen wir dann schnell
zur Birthday-Party mit Musik.
G’rad
nicht das größte Missgeschick!
Fünf neue Leut’ hab’n ungeniert
sich bestens bei uns integriert.
„Sportsfreunde Puchheim“, wie ihr wisst,
die Herkunft dieser Radler ist.
Für Walter und Marianne Dachs
war’s kräftemäßig nur ein Klax.
Als sehr geübte Mountenbiker
sind sie auch wirklich Touren-Liker.
Der Walter hatt’ an seinem Heck
ein Schutzblech-Stummel, wirklich keck,
aus Baumesrinde, ganz Natur.
Wenig genützt hat’s leider nur.
Der Strampfls Hans hat ’ne Renate
die anfangs ich geschnitten hatte.
Sie hat inzwischen mir verzieh’n.
Anlass zur Hoffnung immerhin...
Als Partner war der Rudi – echt –
viel besser, als man glauben möcht’:
Mein Schnarchen macht’ ihm gar nichts aus.
Renate mit dem lieben Dieter
sah’n endlich wir bei uns mal wieder.
Zweimal sind sie, vor vielen Jahren,
bereits mit uns auf Tour gefahren.
In
Scheifling bei der Brotzeit dann
verlor
ich meinen ersten Zahn.
Bei
Josefs Rad und Dagmars auch
war’n
Zähne schlecht für den Gebrauch.
In
Zeltweg hat man mit Bedacht,
uns
flux ’nem Rasthof zugedacht.
Für
Formel 1-Fans optimal
der
Ring war nah’, ganz ideal:
Per
Rad um diesen Ring zu düsen,
kein
Speed-Limit beachten müssen:
Einmal im Leben so’n Gefühl,
gibt doch dem Selbstbewusstsein viel.
Entlang
ging’s weiter an der Mur,
ganz
selten in die Hügel nur.
war’s
Wetter immer noch sehr schön.
Mich hat das schließlich sehr enthemmt,
zog über mir’s Shimano-Hemd.
Die Monika war hingerissen,
wollt’s Hemd an mir nun nicht mehr missen.
Auf Radlwegen ging’s gelassen
entlang von Bahn- und Autotrassen,
stets leicht flussabwärts durch das Tal
als Tagesabschluss ohne Qual.
In
Frohnleiten im upper-class-
Hotel,
das war schon was:
Mit
Rudi in der Sauna sitzen,
bei
seinem Aufguss wohlig schwitzen.
Der
nächste Morgen, welch ein Graus,
sah
grau und düster plötzlich aus.
Es
regnete, ward richtig nass.
Nur
mäßig Spaß macht’ wirklich das!
In
Graz war’s etwas trockener,
ein
Rundgang d’rum verlockender.
In’s schöne Kaufhaus-Esslokal
lockt’ uns ein warmes Mittagsmal.
so
dass dann recht zur Geltung kam
der
Radlweg voll Sand und Schlamm.
Mit
Lehm verschmiert, total verdreckt.
Wer
uns so sah, war ganz verschreckt.
Besonders
Franz - weil ohne Schutz –
war
völlig eingehüllt vom Schmutz.
Ein
Gartenschlauch mit scharfem Strahl
in
Leibnitz dann war erste Wahl.
Tilo sei Dank für seine Tat
mit der er sauber uns g’macht hat!
Nach
Nagykaniza mit Geleit
fuhr’n
wir dann wie berühmte Leut’.
Vier
Rennradler - als nette Geste -
holten
uns ab als ihre Gäste.
Dann
unterwegs half auch dabei
mit
Blaulicht ihre Polizei.
Die
Partnerstadt, so konnt’ man meinen,
war
zum Empfang voll auf den Beinen.
Fernseh’n, Funk und Presse war
für uns vor Ort, das ist doch klar.
Ein Großereignis wurden wir.
Man lud uns ein zu Speis’ und Bier.
Der
Senior Franz, der war in Nu,
umlagert
für ein Interview.
Dass
er aus Puchheim gar nicht war
verschwieg geschickt der Fernsehstar.
So einfach - Franz - kommst’ da net raus,
sonst
wird ’ne Staatsaffaire d’raus!
Als
Puchheimer kennt Dich die Welt
auch
wenn’s Dir nur bedingt gefällt.
Für
Dich die einz’ge Rettung schafft
Die
Puchheim-Ehrenbürgerschaft.
Vielleicht sollt’ man den lieben Franz
zum Ehrenradler machen ganz.
Nach
dieser großen Resonanz
war’n
wir an uns’rem Ziel nicht ganz.
Die
Tour schließlich ihr Ende hatt’
im
Sporthotel beim Thermenbad.
Drei
Tage war’n wir Ungarns Gäste
und
feierten die vielen Feste
mit
Puchheimern, die außerdem
per
Bus gekommen, sehr bequem.
Der
letzte Abend, wir allein,
und
weil es gab genügend Wein,
ließ sich nur schlecht prognostizieren,
was
alles so könnte passieren.
Beim
Abendessen – wird gemunkelt –
enthemmte
sich’s, wurde geschunkelt.
Dass
dies seriöse Leut’ sein sollen,
das
hätte man kaum glauben wollen.
drum
schenkt’ der Wirt ihm kräftig ein.
Trotz
Aufsicht durch Marie-Luise
umgarnt’
er balde nicht nur diese.
Mit
einem Mal – noch im Lokal –
drehten
sie durch und zwar total.
Wie wild dreh’n alle sich im Tanz,
nicht grade wenig auch der Franz.
Weil manchmal ging bei dieser Tour
der Radweg auch entlang der Mur,
könnt’ „Tour d’la Mur“ man einfach sagen,
tät jemand nach ’nem Motto fragen.
Aus meiner Sicht passt eines nur:
Ich nenne sie „La Tour d’ Amour“.
Denn
Liebe eigentlich doch stand
im
Mittelpunkt, was uns verband.
Die Liebe zu den Partnerorten
ward hoch gepriesen mit viel Worten.
Auch uns’re Gruppe deutlich zeigte,
dass man zu Freundschaft, Liebe neigte.
Die Ehepaare – nehm’ ich an –
war’n sich in Liebe zugetan.
Die anderen, so war zu hör’n,
hab’n sich auch ohne Ehe gern.
’Ne Rote Rose macht’ auch klar
dass dies so zu verstehen war.
Man sieht, dass diese „Tour d’Amour“
voll Freudschaft war, voll
Liebe pur.
Die
Stimmung fröhlich, niemals Streit,
ein
Zeichen, dass wir war’n bereit,
das
Positive stets zu suchen,
nur
in Gedanken mal zu fluchen.
hat
alles wunderbar geklappt.
Kein
Unfall, keine Panne auch,
nicht
einmal ein geflickter Schlauch.
Zehn
Mal sind wir in jetzt neun Jahren
mit
Kochs auf Radltour’n gefahren.
Der
Andrang war stets groß, wird mehr,
das
spricht für Qualität doch sehr.
In
diesem Jahr konzeptionell
war’s
beinah’ schon professionell.
Doch
stand - ganz wichtig - zu Gebote
die
ganz persönlich Koch’sche Note.