Radltour 2001
(La Tour d’Amour)

Aus der Sicht des Chronisten Helmut Müller

 

Die zehnte Koch’sche Radltour

führt’ hauptsächlich durchs Tal der Mur,

von Salzburg quer durch Steirers Landen

bis wir in Ungarn dann verschwanden.

 

’Ne Riesengruppe war’n wir heuer

verkehrstechnisch nicht ganz geheuer.

Geht das so weiter in den Jahren,

wird bald ganz Puchheim mit uns fahren.

 

Sechs Paare und sechs Einzel-Leut’

erklär’n  zum Mitfahr’n sich bereit.

Der Altersschnitt um 60 Lenze,

dem Fitsein setzt er keine Grenze.

 

Am Sonntag, noch recht früh am Morgen,

macht Tilo ganz umsonst sich Sorgen,

denn niemand kam diesmal zu spät.

Erstaunlich, dass es so auch geht.

 

Zehn Jahre Ungarn-Partnerstadt

als Grund dafür zu gelten hat,

dass wir zum Radln war’n bereit

in solch ’ner frühen Jahreszeit.

 

Weil’s doch so kräftig fror und schnie

dacht’ mancher wohl „Verrückt sind die.

Bei denen kann’s nicht richtig ticken!“

Im Stillen konnt’ dazu ich nicken.

 

Ende April, es schneit, ist nass,

für’s Radfahr’n wirklich übel, krass.

Doch trotzdem freuten ungeheuer

wir uns auf unser Abenteuer.

 

Die Presse war, obwohl bestellt,

durch dieses Wetter wohl verprellt.

So fuhr’n wir ganz inoffiziell

nach Salzburg mit der Bahn ganz schnell.

 

Auch hier war’s Wetter ziemlich schlecht.

Gescheh’n tat’s uns g’rade recht!

Warm-winterliche Regenhäute

zu haben sich ein jeder freute.

 

Mit Bus von Golling ging es dann,

Fahrradanhänger hinten dran,

nach ein/zwei Tunneln dann: Hurra,

war blauer Himmel, Sonne da.

 

Bis Mur fuhr’n wir, dem schönen Ort.

Um diese Zeit trieb Wintersport

man besser dort im tiefen Schnee.

Doch Radl fahr’n? Oh je, oh je!

 

Die „Weiße Leber“ einer Frau

erklärte er uns ganz genau:

Die Anna Neumann hatte sechs

Männer g’habt, war keine Hex’.

 

Danach ging’s weiter ohne Franz.

Warum weiß man bis heut’ nicht ganz.

In Judenburg – so ein Gerücht –

Da hatte er so sei’ G’schicht....

 

Nach Murau fiel dem Tilo ein

ein steiler Waldweg, ganz gemein.

Als wir auf 1000 Meter waren,

gibt zu er, dass wir falsch gefahren.

 

An dieser Stelle als Chronist

sag ich, weil’s doch erstaunlich ist:

Sein einz’ger Fehler dieses war,

sonst hat geführt er wunderbar.

 

So früh im Jahr, man merkt das schon,

fehlt’s manchem noch an Kondition.

Gepäcktransport, zwar ungewohnt,

hat deshalb sicher sich gelohnt.

 

Dann weiter ging’s auf Bundesstraßen.

Die LKWs lernt man da hassen.

Dann wieder in die Hügel rein,

ein Auf-und-ab, das musste sein.

 

Der Dieter träumt , wie schön’s sein muss,

abwärts zu radeln mit Genuss.

Zwar taten wir dies „im Prinzip“,

doch ging’s bergauf, mehr als ihm lieb.

 

Mit seinem nagelneuen Rad

er anfangs sei’ Problemchen hatt’:

Statt drei hat er jetzt sieben Gänge.

Ach, wenn ihm’s Schalten nur gelänge...

 

Der Fritz hat heimlich wohl trainiert.

Bei ihm lief’s heuer wie geschmiert.

Wenn and’re schon am Schieben war’n

ist stets er d’ran vorbei gefahr’n.

 

Die Margot, auch ein Phänomen:

Bergauf man sie konnt’ radeln seh’n.

Bei g’radeaus und Gegenwind

ging’s dann im Schatten auch geschwind.

 

Den Schulzes Rainer und der Ute

kam bisher nicht wie uns zu Gute

der Service vom Gepäcktransport.

Sie fuhr’n es selbst. Ja, das ist Sport!

 

Erst als es später wurde eben,

da hab’n auch sie was aufgegeben.

Nun ging es leichter und bequem,

altersgemäß auch angenehm.

 

Königsetappe tags darauf.

Wir waren pünktlich und gut drauf.

Die Sonne frühlingshaft und hell,

auch kamen wir voran recht schnell.

 

Passierten dann Sloweniens Zoll

ganz ohne eine Passkontroll’.

Slowenien sauber, gute Straßen,

so kann man sich’s gefallen lassen!

 

Des Mittags dann am Sportplatzrand

der Tilo einen Rastplatz fand,

verseh’n mit Tischen und mit Bänken.

Da braucht’ sich keiner zu verrenken.

 

Nach Ungarn rein prüft ganz genau

die Pässe eine Grenzer-Frau.

Auch war zu schieben jedes Rad

durch’s völlig trockne Seuchen“bad“.

 

Der Hans kriegt’ gleich was auf die Pfoten,

denn Fotos machen war verboten.

Die Sitten sind hier noch sehr streng.

Passt bloß gut auf, sonst macht’s „peng-peng“.

 

Im ersten Dorf in Ungarn dann

spricht gleich uns der Herr Pfarrer an.

Sei’ Kirch’ hat frisch er renoviert,

mit uns ’ne Andacht zelebriert.

 

Als Monika, das Chormitglied,

stimmt’ an ein schönes Kirchenlied,

lud er dann ein – das musste sein –

uns in’s „Buffet“ zu Bier und Wein.

 

Bis Gorniza ein letztes Mal

durchquerten wir ein tiefes Tal.

Das Hotel dort, macht  zwar was her,

doch manches wundert uns dann sehr:

 

’Ne Wette für Herrn Gottschalk wär’

ob 18 Räder – bitte sehr –

in o’ Garage hinein tun passen.

Der Hans der kann’s, ’s ist nicht zu fassen.

 

Als Rudi - voller Seeligkeit -

macht’ sich unter der Dusche breit,

ruft plötzlich er - und zwar sehr laut::

„Wer hat denn diesen Pfusch gebaut?“

 

Das Wasser konnte nicht ablaufen,

und Rudi drohte zu ersaufen.

Zehn Zentimeter stand es hoch

am Boden ohne Abflussloch.

 

Die Suite konnten wir dann tauschen

am 4-Bett-Zimmer uns berauschen.

Platz nun genug zum Orgien feiern,

doch Rudi war nicht anzufeuern.

 

In einem and’ren Weinlokal

war’n nur sehr laut wir dieses Mal.

Spottbillig war der Rebensaft

was neue Möglichkeiten schafft’.

 

Zurück danach im Sporthotel

war’n eingeladen wir dann schnell

zur Birthday-Party mit Musik.

G’rad nicht das größte Missgeschick!

 

Fünf neue Leut’ hab’n ungeniert

sich bestens bei uns integriert.

„Sportsfreunde Puchheim“, wie ihr wisst,

die Herkunft dieser Radler ist.

 

Für Walter und Marianne Dachs

war’s kräftemäßig nur ein Klax.

Als sehr geübte Mountenbiker

sind sie auch wirklich Touren-Liker.

 

Der Walter hatt’ an seinem Heck

ein Schutzblech-Stummel, wirklich keck,

aus Baumesrinde, ganz Natur.

Wenig genützt hat’s leider nur.

 

Der Strampfls Hans hat ’ne Renate

die anfangs ich geschnitten hatte.

Sie hat inzwischen mir verzieh’n.

Anlass zur Hoffnung immerhin...

 

Der Hans war immer weit voraus.

Dem ging die Kraft - scheint’s - niemals aus.

Auch die Renate – muss man sagen –

braucht’ sich recht wenig nur zu plagen.

 

Der Rudi strotzt nur so vor Kraft,

dazu kommt seine Leidenschaft,

dem Sport zu geben sich ganz hin.

Das macht beim Radeln wohl auch Sinn.

 

Als Partner war der Rudi – echt –

viel besser, als man glauben möcht’:

Mein Schnarchen macht’ ihm gar nichts aus.

So’n Mann wünscht’ manche sich zu Haus.

 

Schlimm war ihm’s Packen, ein und aus.

Dies macht sonst Uschi, seine Maus..

Den Dauerstress er erst bezwang,

wenn fröhlich er ein Liedlein sang.

 

Renate mit dem lieben Dieter

sah’n endlich wir bei uns mal wieder.

Zweimal sind sie, vor vielen Jahren,

bereits mit uns auf Tour gefahren.

 

In Scheifling bei der Brotzeit dann

verlor ich meinen ersten Zahn.

Bei Josefs Rad und Dagmars auch

war’n Zähne schlecht für den Gebrauch.

 

In Zeltweg hat man mit Bedacht,

uns flux ’nem Rasthof zugedacht.

Für Formel 1-Fans optimal

der Ring war nah’, ganz ideal:

 

Per Rad um diesen Ring zu düsen,

kein Speed-Limit beachten müssen:

Einmal im Leben so’n Gefühl,

gibt doch dem Selbstbewusstsein viel.

 

Entlang ging’s weiter an der Mur,

ganz selten in die Hügel nur.

Zur Mittagsrast in Le-o-Ben

war’s Wetter immer noch sehr schön.

 

Mich hat das schließlich sehr enthemmt,

zog über mir’s Shimano-Hemd.

Die Monika war hingerissen,

wollt’s Hemd an mir nun nicht mehr missen.

 

Auf Radlwegen ging’s gelassen

entlang von Bahn- und Autotrassen,

stets leicht flussabwärts durch das Tal

als Tagesabschluss ohne Qual.

 

In Frohnleiten im upper-class-

Hotel, das war schon was:

Mit Rudi in der Sauna sitzen,

bei seinem Aufguss wohlig schwitzen.

 

Der nächste Morgen, welch ein Graus,

sah grau und düster plötzlich aus.

Es regnete, ward richtig nass.

Nur mäßig Spaß macht’ wirklich das!

 

In Graz war’s etwas trockener,

ein Rundgang d’rum verlockender.

In’s schöne Kaufhaus-Esslokal

lockt’ uns ein warmes Mittagsmal.

 

Kaum auf dem Rad wurd’s wieder nass,

für Wassersportler ’n toller Spaß,

so dass dann recht zur Geltung kam

der Radlweg voll Sand und Schlamm.

 

Mit Lehm verschmiert, total verdreckt.

Wer uns so sah, war ganz verschreckt.

Besonders Franz - weil ohne Schutz –

war völlig eingehüllt vom Schmutz.

 

Ein Gartenschlauch mit scharfem Strahl

in Leibnitz dann war erste Wahl.

Tilo sei Dank für seine Tat

mit der er sauber uns g’macht hat!

 

Nach Nagykaniza mit Geleit

fuhr’n wir dann wie berühmte Leut’.

Vier Rennradler - als nette Geste -

holten uns ab als ihre Gäste.

 

Dann unterwegs half auch dabei

mit Blaulicht ihre Polizei.

Die Partnerstadt, so konnt’ man meinen,

war zum Empfang voll auf den Beinen.

 

Fernseh’n, Funk und Presse war

für uns vor Ort, das ist doch klar.

Ein Großereignis wurden wir.

Man lud uns ein zu Speis’ und Bier.

 

Der Senior Franz, der war in Nu,

umlagert für ein Interview.

Dass er aus Puchheim gar nicht war

verschwieg  geschickt der Fernsehstar.


So einfach - Franz - kommst’ da net raus,

sonst wird ’ne Staatsaffaire d’raus!

Als Puchheimer kennt Dich die Welt

auch wenn’s Dir nur bedingt gefällt.

 

Für Dich die einz’ge Rettung schafft

Die Puchheim-Ehrenbürgerschaft.

Vielleicht sollt’ man den lieben Franz

zum Ehrenradler machen ganz.

 

Nach dieser großen Resonanz

war’n wir an uns’rem Ziel nicht ganz.

Die Tour schließlich ihr Ende hatt’

im Sporthotel beim Thermenbad.

 

Drei Tage war’n wir Ungarns Gäste

und feierten die vielen Feste

mit Puchheimern, die außerdem

per Bus gekommen, sehr bequem.

 

Der letzte Abend, wir allein,

und weil es gab genügend Wein,

ließ  sich nur schlecht prognostizieren,

was alles so könnte passieren.

 

Beim Abendessen – wird gemunkelt –

enthemmte sich’s, wurde geschunkelt.

Dass dies seriöse Leut’ sein sollen,

das hätte man kaum glauben wollen.

 

Dem Josef schmeckte sehr der Wein,

drum schenkt’ der Wirt ihm kräftig ein.

Trotz Aufsicht durch Marie-Luise

umgarnt’ er balde nicht nur diese.

 

Mit einem Mal – noch im Lokal –

drehten sie durch und zwar total.

Wie wild dreh’n alle sich im Tanz,

nicht grade wenig auch der Franz.

 

Weil manchmal ging bei dieser Tour

der Radweg auch entlang der Mur,

könnt’ „Tour d’la Mur“ man einfach sagen,

tät jemand nach ’nem Motto fragen.

 

Aus meiner Sicht passt eines nur:

Ich nenne sie „La Tour d’ Amour“.

Denn Liebe eigentlich doch stand

im Mittelpunkt, was uns verband.

 

Die Liebe zu den Partnerorten

ward hoch gepriesen mit viel Worten.

Auch uns’re Gruppe deutlich zeigte,

dass man zu Freundschaft, Liebe neigte.

 

Die Ehepaare – nehm’ ich an –

war’n sich in Liebe zugetan.

Die anderen, so war zu hör’n,

hab’n sich auch ohne Ehe gern.

 

’Ne Rote Rose macht’ auch klar

dass dies so zu verstehen war.

Man sieht, dass diese „Tour d’Amour“

voll Freudschaft  war, voll Liebe pur.

 

Die Stimmung fröhlich, niemals Streit,

ein Zeichen, dass wir war’n bereit,

das Positive stets zu suchen,

nur in Gedanken mal zu fluchen.

 

In allem hab’n wir Glück gehabt,

hat alles wunderbar geklappt.

Kein Unfall, keine Panne auch,

nicht einmal ein geflickter Schlauch.

 

Zehn Mal sind wir in jetzt neun Jahren

mit Kochs auf Radltour’n gefahren.

Der Andrang war stets groß, wird mehr,

das spricht für Qualität doch sehr.

 

In diesem Jahr konzeptionell

war’s beinah’ schon professionell.

Doch stand - ganz wichtig - zu Gebote

die ganz persönlich Koch’sche Note.